Walter Lieck

13.6.1906 (Charlottenburg) - 21.11.1944 (Berlin)

Der Schauspieler, Kabarettist und Textdichter Walter Lieck stammt aus Berlin-Charlottenburg. Nach seinem ersten Festengagement am von Erwin Piscator geleiteten Theater am Schiffbauerdamm 1928 arbeitet er an klassischen Sprechbühnen und bis in die NS-Zeit im bekannten Kabarett Tingel-Tangel. Dort trägt er 1935 u.a. in abgeänderter Form das Gedicht "Die Gedanken sind frei" vor, und spricht in seinen Vorbemerkungen die Gedankenunfreiheit im nationalsozialistischen Deutschland an.

Am 10. Mai 1935 wird das Kabarett vom Geheimen Staatspolizeiamt geschlossen und Walter Lieck gemeinsam mit Walter Gross und Ekkehard Arendt festgenommen. Nach Verhören im Geheimen Staatpolizeiamt wird der in Berlin NO 55 in der Greifswalder Straße 190 wohnende Lieck zunächst in das KZ Columbia gebracht. Anschließend ist er nach einer Entscheidung von Reichsminister Goebbels "für die Dauer von 6 Wochen in ein Lager mit körperlicher Arbeit zu überführen." Aus dem Konzentrationslager Esterwegen wird Lieck am 1. Juli 1935 entlassen und erhält eineinhalb Jahre Auftrittsverbot.

Das Sondergericht beim Landgericht Berlin spricht ihn mangels ausreichender Beweise am 26. Oktober 1936 wegen angeblichen Vergehens gegen das "Heimtückegesetz" frei.

Lieck ist mit einer Frau verheiratet, die nach den rassistischen Kriterien der Nationalsozialisten als „Halbjüdin" gilt und lässt sich nicht scheiden. Nach dem Auftrittsverbot tritt Lieck wieder in mehreren Filmen auf und schreibt die 1936 uraufgeführte Kinderoper "Schwarzer Peter". Walter Lieck stirbt am 21. November 1944 an den Spätfolgen einer Blutvergiftung, die er im Konzentrationslager Esterwegen erlitten hatte.

Bilder und Dokumente

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